Man darf fünf Jahre lang etwas wollen und später etwas anderes wollen. Eine Entscheidung kann damals richtig gewesen sein und heute trotzdem nicht mehr passen. Lebenspläne haben offenbar keine Pflicht zur lebenslangen Rückwärtskompatibilität.
Motivation ist angenehm, aber terminlich ziemlich unzuverlässig. Fester Einkaufstag, automatische Überweisung, Sport zur gleichen Zeit, Dokumente direkt ablegen – langweilige Routinen lösen erstaunlich viele Dinge, für die man sonst jede Woche erneut vernünftig sein müsste.
Früher habe ich bei vielen Dingen fast automatisch die billigste Variante gewählt. Inzwischen zahle ich manchmal lieber zehn Euro mehr, wenn ich dafür eine Stunde spare oder mir unnötigen Stress erspare. Geld ist nicht nur für Sachen da; gelegentlich kann man damit auch Zeit zurückkaufen.
Nicht jede Entscheidung braucht die objektiv beste Lösung. Ein brauchbarer Arzt, ein solides Fahrrad, eine Wohnung, die gut genug passt, oder ein System, das zuverlässig funktioniert, kann wertvoller sein als monatelanges Optimieren. Perfektion hat überraschend hohe Suchkosten.
Ich finde den Gedanken inzwischen beruhigend, dass fünf Jahre in einem Beruf, einer Stadt oder einem Projekt nicht wertlos werden, nur weil ich danach etwas anderes mache. Zeit muss nicht bis zum Lebensende dieselbe Richtung rechtfertigen, um sinnvoll gewesen zu sein.
„Ich kann diesmal nicht“ ist ein vollständiger Satz.
Man muss nicht für jede Einladung einen gerichtsfesten Grund vorlegen, warum der Abend frei bleiben soll.
Erwachsensein bedeutet vielleicht auch, die eigene Zeit nicht erst dann ernst zu nehmen, wenn sie bereits verplant ist.
Eine Stunde selbst herumprobieren kann sinnvoll sein. Vier Stunden nur deshalb weiterzumachen, weil Fragen irgendwie wie Scheitern wirken, meistens weniger. Erwachsensein scheint erstaunlich oft daraus zu bestehen, irgendwann zu wissen, wen man kurz fragen kann.
Ich dachte lange, nach jedem erreichten Ziel müsste sofort das nächste kommen. Neuer Job, nächste Weiterbildung, größere Wohnung, nächster Plan. Inzwischen finde ich auch Phasen ziemlich legitim, in denen gerade nichts maximiert wird und das vorhandene Leben einfach eine Weile gut genug ist.
Mit 30 kann sich ein Berufswechsel merkwürdig spät anfühlen, weil andere scheinbar schon zehn Jahre auf derselben Spur unterwegs sind.
Dann rechnet man kurz nach und merkt, wie viele Arbeitsjahre wahrscheinlich noch vor einem liegen.
Ich würde heute lieber mit 30 neu anfangen als mit 40 feststellen, dass ich es zehn Jahre lang nur deshalb nicht getan habe, weil 30 sich damals alt angefühlt hat.
Ich habe lange gedacht, ein freier Freitagabend ohne Plan sei irgendwie eine verpasste Gelegenheit.
Inzwischen kann ein leerer Kalender selbst der Plan sein.
Nicht alles, was nicht stattgefunden hat, wurde verpasst.
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